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Freitag, 6. Mai 2011

Any Mother


Any mother - das ist ein Graffiti auf der Wand des Waisenhauses, wo ich im Moment meine letzten Tage verbringe.

Die Kinder hier sind der Wahnsinn, vor allem wenn man sie besser kennenlernt.

Und auch immer freundlich und vor allem gefällt mir es total, wie sie sich bedanken: mit gefaltenen Händen zeigen sie einem Respekt.
Auch die Begrüssung hier in Kambodscha ist mit den gefaltenen Händen vor dem Gesicht und einer kleinen Verbeugung, Hände geschüttelt wird nur mit westlichen Leuten.

Wir spielen immer viel miteinander, vor allem Fußball, Volleyball auf ganz einfachen Plätzen, rundherum liegt überall Müll und man muss vorsichtig sein, das man sich nicht eine Glasscherbe eintretet.


Es wird viel gemalt, Bänder geknüpft und ich lerne ebenfalls viele neue Dinge von ihnen. Oft reicht es ihnen, wenn wir einfach nur quatschen, vor allem die älteren wollen ihr Englisch verbessern, jeder hat bereits ein festes Ziel vor Augen, was er / sie in Zukunft machen will, viele wollen später im Tourismus arbeiten.


Die Kinder leben sehr einfach, wo sie schlafen ist ein einfaches Haus, die Burschen haben ihre Zimmer unten, die Mädchen oben.

Die Zimmer sehr einfach ausgestattet, Betten wo mehrere Kinder zusammen schlafen müssen und einige haben keine Matratzen.

Kleiderschränke oder andere Regale gibt es nicht viele, generell besitzen die Leute hier nicht viel, ein paar Kleider, vielleicht ein paar persönliche Sachen, aber nicht viel. Oft denke ich mir soviel ich im Moment in meinem Rucksack mitschleppe, soviel besitzen manche Leute insgesamt.

Duschen, Wäsche waschen, Geschirr abwaschen, das alles passiert am Brunnen vor dem Haus.

Die Küche ist sehr einfach ausgestattet, zwei Frauen zaubern an zwei einfachen Feuerstellen wunderbares Khmer Essen. Aber man sieht wie mit einfacher Kochweise und wenig Utensilien man doch viel machen kann.


Es gibt jeden Tag Reis, ohne Reis würde es hier kein Essen geben. Dazu gibt es immer gekochtes Gemüse, Suppe und etwas Fleisch, je nachdem wie viel Geld vorhanden ist.

Ein paar Hühner laufen auch schon suppengerecht herum!

Ein paar Computer sind aufgebaut und sie bekommen auch regelmässig Unterricht.

Insgesamt leben mehr als 30 Kinder hier. Gegründet und aufgebaut wurde alles von Sok, er ist selber ohne Eltern aufgewachsen, nachdem diese durch die Khmer Rouge getötet worden sind. Er hat bei den Mönchen sein Englisch gelernt, in einem Hotel verbessert und war eine Zeit lang Tourguide. Er hatte aber immer schon ein großes Herz für Kinder und er konnte die Armut nicht mehr sehen ohne nicht etwas zu unternehmen, er hat den Job gekündigt und dieses Heim aufgebaut.

Die Kinder kommen vor allem aus der Umgebung von Siem Reap, viele wurden von den Eltern auch verstoßen und zu Verwandten geschickt, weil sie selber kein Geld haben. Die Verwandten kümmerten sich aber nicht und die Kinder mussten sich das Essen selber besorgen.

Hier in Kambodscha muss man teilweise auch aufpassen, welche Kinderheime man besucht. Nicht alle Kinder in solchen Heimen werden gut betreut, oft müssen sie für die Organisation arbeiten, bekommen das Geld und die Spenden nicht sondern geht in die Tasche des Betreibers.
Dieses Waisenhaus ist aber vertrauenswürdig und wird auch nicht von großen Organisationen (wo man auch nicht weiß, wo das Geld hingeht) unterstützt, sondern die hier finanzieren es sich alles selber von Spenden aus aller Welt und man kann sicher sein, dass das Geld, was man ihnen gibt auch für die Kinder verwendet wird.
Cambodian Children's Sanctuary
Sok ist sehr bemüht um seine Kinder, er will das sie Spaß haben und haben die Freiheiten zum Spielen, aber ihm ist vor allem eines wichtig: BILDUNG.

Hier wird einem aber erst bewusst, wie schön wir es in Österreich haben: Bildung ist hier in Kambodscha keine Selbstverständlichkeit. Viele haben nicht die Möglichkeit eine Schule zu besuchen, viele Familien können es sich nicht leisten, die Kinder in die Schule zu schicken. Für uns ist es oft eine Qual in die Schule zu gehen, hier gehen die Kinder so gerne in die Schule und freuen sich darauf, weil sie wissen, dass sie damit später eine gute Zukunft haben und etwas Aufbauen können. Auch viele Erwachsene würden gerne eine Englischschule besuchen oder sich Weiterbilden, um so in einen anderen Beruf wechseln zu können, aber es ist Unmöglich.
Witzig finde ich aber den "Schulbus".

Letztens war dann mal das Fernsehen von Kambodscha im Waisenhaus und hat Sok interviewt, das war alles witzig zum angucken, wie gefilmt wurde. Die Leute die das Interview machen saßen auf einfachen Plastikstühlen, dazwischen lief mal wieder ein Huhn mit den Küken durch, die dann genervt mit einem Fußtritt Beiseite geschafft wurden.

Generell wird hier aber leider mit den Tieren nicht sehr nett umgegangen, hier gibt es viele Hunde im Waisenhaus, die werden getreten, mit Stöcken verprügelt und Sok steht mit beiden Füssen auf den Hunden, die jaulen was das Zeug hält.

Ich bin aber froh, dass ich mich entschieden habe meine restlichen Tage meiner Weltreise in Kambodscha und in diesem Waisenhaus zu verbringen, ich habe eine wunderbare Zeit hier und werde die Kinder hier vermissen...

Montag, 2. Mai 2011

3 Jahre 8 Monate 20 Tage


Genau 3 Jahre 8 Monate 20 Tage war die Khmer Rouge von 1975 bis 1979 an der Macht, ich glaube diese Angabe kennen alle hier in Kambodscha die an die schrecklichste Zeit des Landes erinnern. Ich habe bereits ein bisschen etwas über die Khmer Rouge geschrieben, aber je mehr man darüber liest und sich befasst, desto mehr erschüttert es einen. Die Khmer Rouge war von 1975 bis 1979 eine kommunistische Bewegung die den Agrarkommunismus einführten.
Ich dachte mir auch oft, dass die Khmer Rouge auch wirklich nur in dieser Zeit tätig war, aber sie haben auch noch lange danach ihr Unwesen getrieben.

Das Land hat die Zeit während der Khmer Rouge sehr geprägt, das merkt man an deren Lebensart und vor allem auch Umgang mit dem Geld. Es wird für den Moment gelebt, bekommt jemand Geld wird nicht viel gespart, sie schauen zwar schon das sie solange wie möglich über die Runden kommen damit, aber mein Empfinden ist, das viele Angst haben, dass so eine Zeit nochmals kommt und Geld unwichtig wird, das Leben einfach ausgelöscht werden kann - sie leben für JETZT.
Kambodschaner sind auch nicht wirklich interessiert, Business zu machen, man sieht selten Leute, die ein Restaurant oder Hotel selber aufgebaut haben ohne Hilfe eines Westlichen. Aber will man hier versuchen als Europäer etwas aufzubauen, vor allem Land zu bekommen, ist es auch nicht wirklich einfach, die Regierung und Gesetzte legen einem viele Steine in den Weg und man braucht die Hilfe eines Einheimischen.

Aber ich habe viele Geschichten gehört von Familien, die ein schönes Haus (oder Hütte) hatten mit etwas Land rundherum. Die Regierung kam und nahm ihnen alles, die Familie musste von einen Tag auf den anderen das Haus verlassen und sich etwas anderes suchen, keine Ausbezahlung oder Unterstützung, die Regierung brauchte das Stück Land jetzt einfach. Da wird einem klar, das die Leute hier nicht viel Kraft, Geld und Energie stecken um etwas aufzubauen, das ihnen innerhalb einer Sekunde wieder genommen werden kann.

Hier aber noch etwas über die Geschichte der Khmer Rouge:
Mit dem Einzug nach dem gewonnen Bürgerkrieg der Khmer Rouge 1975 in Phnom Penh dachten viele an das Ende des damaligen Bürgerkrieges und schlimmen Zeit. Soldaten, viele junge Burschen, marschierten schwerbewaffnet in Phnom Penh ein.

Die Bevölkerung jubelte ihnen zu um sie Willkommen zu heißen, sie wussten aber nicht, dass diese in Wirklichkeit ihre Feinde waren, was sie aber bald zu spüren bekamen. Innerhalb weniger Stunden nach dem Einzug der Khmer Rouge mussten die Bewohner die Stadt verlassen und für Tage in die anliegenden Provinzen marschieren. Es wurde den Leuten alles genommen was sie besaßen, Eigentum war nicht mehr erlaubt. In den Provinzen wurden sie aufgeteilt und mussten die Reisfelder bewirtschaften, jeden Tag und oft für 12 Stunden lang bei voller Hitze und vor allem auch mit dem schwarzen Gewand, das ihnen die Khmer Rouge zu tragen gab.

Bunte Farben, Fröhlichkeit, Lachen, Familie, Religion – alles Schöne wurde verboten. Zum Essen bekamen sie teilweise so gut wie nichts, oft nur eine Mahlzeit am Abend – eine Reissuppe mit 5 Reiskörnern. Mit Wasser wurde auch gespart.
Wer mit diesen Bedingungen nicht mithalten konnte, wurde mit Gewalt bestraft und vorangetrieben, „Kranke sind Opfer ihrer Einbildung“.
Die Leute wurden von der Khmer Rouge ständig in andere Gebiete gebracht um somit Aufstände und Verbünde zu verhindern. „Wer protestierte ist ein Feind, wer sich widersetzt eine Leiche“.
Jeden Abend gab es "Gehirnwäsche", es wurde den Leuten eingeredet, wie gut die Khmer Rouge nicht sei und was alles gut dran ist.

Ein Leitsatz der Khmer Rouge, der mir ziemlich in die Knochen geht, war: „
DICH zu behalten ist kein Gewinn – DICH zu verlieren ist kein Verlust
“. Die Wertigkeit eines Menschenlebens war NICHTS.

Nach 3 Jahren 8 Monate und 20 Tagen haben die Vietnamesen Phnom Penh eingenommen und somit die Khmer Rouge vertrieben, aber nicht komplett vernichtet. Es wurde die Volksrepublik Kambodscha gegründet. Die Khmer Rouge war auch noch lange nach dem Einfall der Vietnamesen und Befreiung von Phnom Penh tätig, die Anhänger flüchteten vor allem in den Dschungel an die Thailändische Grenze und bildeten ein militärisches Netzwerk innerhalb von Kambodscha. Sie wollten auch noch über 10 Jahre danach immer wieder versuchen, an die Macht zu kommen, Gott sei Dank aber ohne Erfolg.
1989, 10 Jahre nach dem Einfall in Phnom Penh kehrten die Vietnamesen wieder zurück in ihr Land und zogen ab. In Kambodscha wurde aber noch immer gekämpft, der Bürgerkrieg hatte noch kein Ende genommen. 1991 wurde dann endlich ein Friedensvertrag unterzeichnet und somit war im Land Frieden.
Vor allem auch rund um Siem Reap wurde hier noch viel gekämpft, im War Museum sieht Bomben, Landminen, Waffen aller Art, die man im Umkreis gefunden hat.

Schilder an zerstörte Panzern zeigen, wie viele Menschen in den jeweiligen Panzer gestorben sind, die Lucken zum Rein und Rausklettern wurden während eines Kampfes zugesperrt, damit die Soldaten im Panzer nicht flüchten können.

Viele waren erst 15 Jahre alt oder jünger, als sie zu Soldaten wurden, viele haben aber durch die Minen und Bomben Arme, Beine, Finger verloren, wie dieser Mann.

Er hat ein amputiertes Bein (mittlerweile eine Prothese) und insgesamt 5 Kugeln in seinem Körper, die nicht entfernt wurden.

Der Anführer dieser schrecklichen Zeit war Pol Pot, der sich schon früh mit Kommunismus befasste, das er auch vor allem während seiner Studienzeit in Paris weiterentwickelte.

1963 kam er nach Kambodscha zurück, musste untertauchen und mit dem Einfall der Khmer Rouge wurde seine Ideen Realität. Er starb 1998 auf etwas mysteriöse Weise, bis zu seinem Tod lebte er versteckt im Dschungel.


Die Khmer Rouge hat in dieser Zeit das Land in einem miserablen Zustand hinterlassen, waren es 1975 etwa 450 Ärzte die im Land tätig waren, so waren es 1979 nur mehr 45. 7000 von 22000 Lehrer überlebten diese 3 Jahr, das Land musste wirklich wieder von Null anfangen, alles musste wieder aufgebaut werden, viele Schulen wurden als Folterzentren verwendet, Bildung war verloren gegangen. Die Infrastruktur des Landes war katastrophal und für die Menschen war es schwer, wieder wo Fuss zu fassen, viele machten sich im gesamten Land auf der Suche nach der Familie und Verwandten, viele kämpften wiederum um das Überleben, es gab keine Vorräte und die Ernten fielen wegen der weiteren Kämpfe teilweise komplett aus.

Es gibt viele Bücher über die diese Zeit, eines der besten Bücher aber ist von Luong Ung, "Der weite Weg der Hoffnung" (auf Englisch: "First they killed my father"), sie war 8 Jahre alt als die Khmer Rouge Einzug nahm und beschreibt wie ihre Familie diese grausame Zeit erlebt hat. Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.


Die Zeit der Khmer Rouge ist noch nicht wirklich lange her und viele können Geschichten erzählen, was mit ihren Familien passiert ist. Diese Zeit hängt jetzt noch vielen in den Knochen - für mich ist es oft unvorstellbar, was diese Menschen mitgemacht haben... aber umsomehr bewundere ich die Leute und deren Fröhlichkeit die sie haben und anderen weitergeben....

Montag, 25. April 2011

Regenzeit im Anmarsch

Der April ist in Kambodscha der heißeste Monat im Jahr und das spürt man auch, um die 30 bis 35 Grad hat es hier, es kühlt nie wirklich ab, auch abends und in der Nacht ist es heiß und oft hat es eine hohe Luftfeuchtigkeit (so um die 70 Prozent). Es kühlt nur ab, wenn es regnet, nach dem Regen ist es aber sofort wieder heiß und die Luft steht.
Ein heftiger Regen kann teilweise ganz schön lange dauern, manchmal mit einem Gewitter das es einem die Schuhe auszieht. In Phnom Penh habe ich eines der schlimmsten Gewitter jemals erlebt, überall hat es geblitzt und gedonnert, der Regen hat in kurzer Zeit die Straßen der Stadt in einen See umgewandelt. Das Kanalsystem konnte das Wasser nicht mehr aufnehmen, es war unmöglich Autos oder Motobikes zu fahren, die Leute standen teilweise hüfthoch im verdreckten Wasser. Nach einer Weile war sogar das Hotel überflutet, man merkte aber, dass das Personal nicht das erste Mal damit zu kämpfen hat.

Motobikes vor dem Hotel standen auch unter Wasser.

Aber man hatte das Gefühl, das es die Leute sehr relaxet nehmen, keiner war hektisch, alle haben die Überflutung einfach hingenommen und das Leben ging ganz einfach weiter.
Einen habe ich aber gesehen der den Regen ausgenutzt hat um seine Motobikes und Tuk Tuks im Regen zu waschen, bis er auch nicht mehr herumfahren konnte. War witzig zum zugucken.

Aber das Beste daran ist: das Gewitter war am Abend, ich machte mir schon Gedanken wie es wohl am nächsten Morgen aussehen würde nach dieser Überflutung: alles war normal, als wenn nichts gewesen wäre, die Leute bauten wie jeden Tag ihre Marktstände auf, verkauften ihre Waren und alles nahm seinen alltäglichen Lauf.

Während der Regenzeit, die etwa im Mai beginnt, regnet es dann fast jeden Tag, aber nicht durchgehend sondern mal eine Stunde am Vormittag und am Nachmittag. Oft auch nur in der Nacht. Aber es ist heiß und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Stürme wie der in Phnom Penh gibt es normallerweise nicht um diese Zeit sondern eher im Juni, Juli. Also auch hier spielt das Wetter verrückt.

Hier rund um Siem Reap ist es das gesamte Jahr über schön warm, die niedrigste Temperatur ist so um die 20 Grad und da frieren die Kambodschaner schon. Ich glaube, die würden schwer einen Winter in Österreich aushalten.

Sonst hat sich hier bei mir mehr oder weniger ein Rythmus eingependelt, nach dem Aufstehen gehts ab zum lokalen Markt und zum Frühstück gibt es eine Nudelsuppe.


Danach geht es zum Waisenhaus, wir spielen, malen, knüpfen Bänder, ich zeige den Jungs was am Computer.... Jedenfalls vergeht die Zeit immer wie im Fluge und macht echt viel Spass.
Am Abend gibt es oft noch Bewegung und wir spielen mit den Tuk Tuk Fahren Fussball auf diesen Acker.


Natürlich ohne Schuhe, nach dem ersten Mal konnte ich danach fast nicht gehen, weil meine Fußsohlen durch die Steine und Schutt total aufgescheuert waren - nur die Harten kommen durch. Aber es macht soviel Spass mit diesen Leuten zu spielen, nie wird angefangen zu streiten und sie spielen auch nicht agressiv sondern locker und lässig, aber doch auch mit "gesundem" Ehrgeiz.

Danach gibt es öfters noch ein Bier, die Männer hier in Kambodscha trinken sehr viel und gerne. Die Frauen trinken kaum bis nie, genauso wird es nicht gerne gesehen, wenn sie rauchen, die Kultur ist hier so. Bier trinken ist sehr sozial, in der Runde wird immer das Bier geteilt und jedes Mal wenn einer trinkt, wird mit der gesamten Runde angestossen. Das heißt, der Abend besteht aus vielen "TSCHUL MUI" (Prost auf Khmer).
Einige trinken bis zum Umfallen, dann gehts natürlich besoffen mit dem Motobike nach Hause, die Polizei kontrolliert hier nicht. Leider passieren auch viele Unfälle wo die Leute besoffen sind und meistens wird Fahrerflucht begangen weil diese Leute kein Geld für die Arztkosten haben die sind dann aufbringen müssten. Traurig aber wahr.

Das wars mal wieder von mir, dauert nicht mehr lange und dann gibts direkte Berichte in Österreich! Freu mich schon!!!!

Sonntag, 17. April 2011

FROHE OSTERN



Zuerst mal FROHE OSTERN an alle! Dadurch das hier sehr wenige Christen leben bekommt man von Ostern überhaupt nichts mit, also keine Osterhasen die Eier verstecken.

Ich bin noch immer in Kambodscha, dem Land das mir auf der Reise am meisten gefällt, vor allem nachdem ich hier zum zweiten Mal bin. Ich war zwar beim ersten Besuch auch schon sehr beeindruckt, aber wenn man die Leute dann wieder sieht und sich sofort wieder wohlfühlt, ist das etwas Besonderes. Vor allem die Leute machen das Land hier so wunderbar, ihre Wärme, Offenheit, Herzlichkeit zeichnen diese Menschen aus. Und vor allem bekommt man so schnell ein Lächeln und Freundlichkeit geschenkt, wenn man durch die Straßen schlendert, das habe ich nirgendswo sonst gesehen.

Jedenfalls habe ich mich jetzt auch entschieden, bis zum Ende der Reise in Kambodscha zu bleiben, obwohl mich Myanmar doch auch sehr reizen würde, aber ich möchte Kambodscha jetzt noch etwas helfen.
Im Moment bin ich in der Hauptstadt Phnom Penh, ein paar Freunde treffen, die ich beim ersten Besuch kennengelernt habe.
Danach geht es wieder zurück nach Siem Reap, dort habe ich ein Kinderheim gefunden mit 30 elternlosen Kindern, die so süß sind, die einzelnen Geschichten dieser Kinder sind aber tragisch...


Diese Kleine zum Beispiel ist 7 Jahre alt, ihre Mutter war heroinabhängig als sie zur Welt kam, um zu überleben brauchte sie selber auch Drogen. Man merkt an ihr, dass sie etwas Schlimmes erlebt hat, aber wie stark sie auch geworden ist.

Jedenfalls möchte ich die restlichen 2 - 3 Wochen diesem Heim helfen, etwas aufzubauen, sie leben von Sponsoring und kämpfen aber oft um die tägliche Portion Reis für die Kinder.

Sonst fühle ich mich in Siem Reap auch sehr wohl, kenne inzwischen viele Einheimische, die mich mitnehmen zum Fortgehen und mir die Kultur zeigen. Also eine schönes Umfeld um die letzten Wochen der Reise zu genießen.

In Phnom Penh habe ich auch ein Waisenhaus mit einem Tuk Tuk Fahrer besucht und habe 15 Kilo Reis für die Kinder gekauft. Mit dem Reis vorne am Motobike und mich hinten dran ging es los!

Ich bin echt beeindruckt, wie die so einfach mit diesem Gewicht durch diesen Verkehr fahren können, für mich unvorstellbar.
Die Kinder waren auch total nett und offen.

Ich konnte mich jetzt noch etwas mehr mit dem Land Kambodscha befassen und je mehr ich darüber erfahre, umso mehr schockiert es mich. Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt, wegen des Bürgerkrieges und der Khmer Rouge musste das Land wieder bei Null anfangen (zur Khmer Rouge kommt später nochmals mehr Info).
Die Armut sieht man auch, wenn man etwas außerhalb der Städte fährt, ich habe es auch gesehen, als ich zu Neujahr bei der Familie eingeladen war. Die Familien leben vom Reis, es kann nur einmal im Jahr Reis geerntet werden, fällt die Ernte wegen schlechtem Wetter (zuviel oder kein Regen) aus, ist das ein großer Rückschlag für die Familie. Diese Familien sind von deren Kindern abhängig, die in die Städte gehen und dort versuchen Geld zu verdienen. Übriggebliebenes Geld wird dann nach Hause geschickt.

Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes ist die Landwirtschaft, aber durch mangelnde Technologien, Arbeitsgeräte und Bewässerungssysteme weit hinter den anderen Ländern in Südostasien.
Schlechte Infrastruktur, besonders die schlechten Straßen in den Provinzen erschweren den Transport und erhöhen somit die Produktionskosten.

Tourismus ist ein wichtiger Sektor für das Land.

Kambodscha ist aber auch nicht so weit ausgebaut, die meisten Touristen fahren nach Siem Reap (Tempel von Angkor), Phnom Penh und eventuell noch an die Küste in den Süden. Krisen in Bangkok, wie die Sperren vom Flughafen letzten Jahres im April wegen der Aufstände der Rothemden, spürt auch Kambodscha stark.
Wenn man durch die Straßen von Städten geht, sieht man überall Tuk Tuk Fahrer herumhängen, alle paar Meter wird man von einem Fahrer angesprochen, ob man nicht ein Taxi braucht. Diese Jungs hängen den ganzen Tag auf ihren Motobikes und Tuk Tuks herum und warten...

schlafen sogar in den Tuk Tuks...

oder sie quatschen mit anderen Fahrern, aber man sieht sie nie etwas lesen, wahrscheinlich weil sich viele das nicht leisten oder gar nicht lesen können.

Jedenfalls gibt es zu viele Tuk Tuk Fahrer und zu wenige Touristen, diese Leute brauchen das Geld aber, um überhaupt überleben zu können, vor allem in der Nebensaison ist es schwierig, wo es fast keine Touristen gibt. Mich beeindruckt aber immer, das diese Tuk Tuk Fahrer ein Lächeln im Gesicht haben, wenn sie einen anreden... wie oft versuchen sie einen Touristen anzuheuern, wie oft werden sie von genervten Touristen abgeblitzt?!?! Trotzdem, ein Lächeln können sie einem immer geben und das finde ich bewundernswert von diesem Land.

Korruption ist ein großes Problem hier in Kambodscha, Kambodscha wurde da erst vor kurzem wieder von "The Political & Economic Risk Consultancy Ltd (PERC)" zur Nummer Eins gewählt (mit 9,27 Punkten von 10).

Sogar Lehrer in den Schulen, die auch so gut wie nichts verdienen, sind korrupt. Wird ihnen etwas Geld zugesteckt, bekommt der Schüler die Testfragen vor der Prüfung.

Ok, das wars für dieses Mal, werde mehr ein anderes Mal berichten, wie die die Menschen hier leben und vor allem von den Kindern im Heim.
Naja, sonst dauert es jetzt wirklich nicht mehr lange und das Tage zählen hat begonnen, bis ich wieder daheim bin....

Dienstag, 12. April 2011

Chaul Chhnam Thmei - Khmer Neujahr


"Susdei Chnam Thmei" hieß es überall auf den Straßen von 13. bis 15. April, wo das Neue Jahr in Kambodscha gefeiert wurde. Man wünscht sich gegenseitig und der Familie Erfolg, Frieden und Glück.
Das neue Jahr wird jedes Jahr Mitte April gefeiert, früher war es im November, Dezember. Da die Bauern aber hier die Feldarbeit verrichten mussten, wurde es von einem der Könige auf April verlegt, wo die Arbeit nach der Trockenzeit beendet ist, die Ernte unter Dach ist und die Regenzeit vor der Tür steht. Also die Leute haben Zeit zum feiern.
Jedes Jahr steht im Zeichen eines Tieres (neuer Gott / Engel), hier in Kambodscha war 2010 das Jahr des Tigers, der Hase hat das neue Jahr eingeleitet.

In diesen drei Tagen werden verschiedene Dinge gefeiert:

1.Tag - SONGKRAN: Vorbereitungen werden getroffen, mit Hausschmuck und Schmuck an den Tempeln in Form von Kerzen, Blumen, buntem Papier, Räucherstäbchen wird der neue Gott / Engel willkommen geheissen und das Haus wird von vorne bis hinten geputzt.
Besonders diese Sterne sieht man als Schmuck an den Häusern hängen.


Gaben in Form von Früchte und Getränke werden für die Ankunft bereitgestellt (jeder Gott /Engel verlangt andere Gaben).


2.Tag – VONABOT: Tag des Schenkens, es werden die Familienmitglieder beschenkt (vor allem neue Kleider) und Spenden für die Ärmeren gegeben. Das neue Jahr beginnt genau um 13 Uhr - das alte Jahr wird hinter sich gelassen.

3.Tag – LAEUNG SAK: Der letzte Tag im neuen Jahr wird mit einem Wasserfest beendet, es wird um Vergebung der Süden des letzten Jahres gebeten und nichts steht einem Neubeginn im Wege.

Ok, das ist die Theorie, die Realität sieht so aus, das es eigentlich ein dreitägiges Sauffest ist, wobei aber vor allem die Männer von morgens bis abends Reisschnaps (der extrem stark ist), Palmschnaps (schon etwas milder) und Bier trinken.
Das Wasserfest am dritten Tag ist hier auch nicht so schlimm, manche machen sich einen Spass draus und bespritzen vorbeifahrende Leute (zum Ärger deren) und werden mit weissen Puder eingestaubt.


Vor allem aber gibt es die Wasserfeste in den Padogas (Tempeln). In Thailand und Laos soll es da schon etwas ärger zugehen (soweit ich es erzählt bekommen habe). Vor allem die Barangs (westliche Leute) werden hier gerne mit Wasser bespritzt.


Aber generell soll es ein Fest der Familie sein, Familienmitglieder die woanders wohnen kommen ans Land auf Besuch, sie haben wegen des Geldes nicht oft die Möglichkeit nach Hause zu kommen zu ihrer Familie, normallerweise 2 - 3 Mal im Jahr.
In diesen drei Tagen wird aber rund um die Uhr Musik gespielt, die Leute tanzen im Kreis traditionellen Tanz mit ihren eleganten Handbewegungen und freuen sich, gemeinsam zu feiern.
Besonders ist auch das Seilziehen, es stehen hier die Frauen den Männern gegenüber und oh Wunder, die Frauen gewinnen immer, weil die Männer so betrunken sind und fast nicht mehr gerade gehen können.
Die Älteren Leute gehen in die Tempeln um Opfergaben zu geben und um für ein gutes neues Jahr und deren Familie zu beten.


Das Fest war also nicht gerade das, wie ich es mir vorgestellt habe, dafür war es umso schöner, das Leben in einem abgelegenen Dorf hautnah zu erleben und das Dorf war wirklich abgelegen, mit Autos ist es nicht erreichbar, weil die Straße in einem so schlechten Zustand ist. Statt Autos fahren Ochsenkarren durch die Gegend.

Die Fahrt dorhin war auch ganz interessant, viele haben sich umgedreht und "BARANG, BARANG" geschrien, das hier für die westlichen Leute (vor allem Europäer) benutzt wird, aber eigentlich "Franzose" bedeutet, da diese die erste´n Europäer in dieser Gegend waren.
Das Haus in dem die Familie wohnt ist eine einfache große Holzhütte auf Pfosten.

Die Häuser werden hier immer auf Pfosten gebaut, da noch vor 15 Jahren um diese Häuser wilder Dschungel war und es gefährliche Tiere wie Tiger gab und sich die Leute so sicherer fühlten. Jetzt dient es vor allem als Unterstand für die Kühe und um Geräte und sonstiges zu verstauen. Statt wilder Dschungel gibt es jetzt Reisfelder.
In der Hütte gibt es nicht viel, an einem Eck ist eine kleine Nische, wo gekocht wird, aber mehr brauchen die Leute hier nicht.

Geschlafen wird entweder am Boden oder auf Betten ohne Matratzen.

Toiletten?? Bitte beim Reisfeld gerade aus, dann mal abbiegen zum nächsten Baum.
„Geduscht“ wird am Brunnen, Frauen wickeln um sich zum Waschen einen Sarong (ein großes Tuch).

Die Familie ist riesig, es sind 7 Geschwister und jeder hatte schon Kinder und diese auch schon Kinder... es waren also so viele Kinder immer unterwegs, dass es schwer war alle zuzuordnen. Aber es war beeindruckend zu sehen, wie einfach die Kleinen hier sich selber beschäftigen und mit was gespielt wird.
Es ist auch immer ein ständiges Kommen und Gehen, Leute die vorbeigehen bleiben mal für einen Schnaps stehen, quatschen, dann geht es wieder weiter.

Neben Kambodscha feiern die Länder Laos, Thailand, Mynmar ebenfalls zu dieser Zeit Neujahr, in Vietnam wird das Neue Jahr (Tet) ähnlich wie in China gefeiert, es dauert ebenfalls drei Tage und findet immer zwischen 21. Januar und dem 21. Februar statt, jedes Jahr ist es ein anderes Datum da nach dem Mondkalender gerechnet wird. Jedes Jahr steht im Zeichen eines Tieres, in Vietnam war letztes Jahr das Jahr des Tigers, dieses Jahr Katze.

Das war also das neue Jahr in Kambodscha, nach ein paar ruhigen Tagen in Siem Reap und kein wegkommen aufgrund überbuchten und überteuerten Busen wegen Neujahr, wird es in die Hauptstadt Phnom Penh gehen, dort ein paar Bekanntschaften besuchen und überlegen, wie der weitere Plan aussieht, eventuell geht es für die restlichen zwei bis drei Wochen noch nach Mynmar (Burma), aber mal gucken, wie sich das dann alles entwickelt.
Aber ja, die Reise geht dem Ende zu, WAHNSINN! So richtig fassen kann ich es nicht, ich glaube, das realisiere ich erst, wenn ich im Flieger Richtung Heimat sitze... Die Zeit ist schnell vergangen und war super, aber ich freue mich natürlich auch schon, Familie und Freunde wieder zusehen.